Call for Papers: ​Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen (Workshop)

Datum: 4. und 5. Mai 2021

Ort: Zentrum für Ethik und Armutsforschung, Universität Salzburg

Interessierte KollegInnen schicken bitte ein Abstract im Umfang von circa 500 Wörtern bis 30. November 2020 an gottfried.schweiger@sbg.ac.at Vorträge sollen nicht länger als 25 Minuten dauern, gefolgt von 25 Minuten Diskussion. Eine Publikation der Beiträge ist geplant.

Je nach Situation der COVID-19 Pandemie wird der Workshop vollständig online oder in Salzburg durchgeführt. Das wird Ende Februar 2021 entschieden.

Call for Papers
Ethik und Philosophie widmen sich verstärkt Fragen der Kindheit und Jugend. Der moralische Status von Kindern und Jugendlichen, ihre speziellen Rechte und Pflichten sowie diejenigen von Erwachsenen ihnen gegenüber stellen Fragen und Problemvorgaben dar, die mittlerweile in- und außerhalb der Philosophie kontrovers diskutiert werden. Die Frage nach der Privatsphäre ist dabei ein Kristallisationspunkt, der die Position von Kindern und Jugendlichen in modernen Gesellschaften in zentraler Hinsicht betrifft. Um von einem Wert der Privatsphäre für Kinder und Jugendliche sprechen zu können, ist ihnen der Status eines zumindest partiell eigenständigen Akteurs zuzuschreiben, der jedoch von der Schutzaufgabe von Familie und Staat eingerahmt wird. Dabei sind schon die Konzepte von Kindheit und Jugend unscharf und werden in den relevanten Disziplinen selten hinsichtlich ihrer normativ-ethischen Implikationen analysiert. Die Vermutung liegt nahe, dass Privatsphäre im Laufe der Kindheit und Jugend an Bedeutung gewinnt, parallel zu Entwicklung und Ausweitung der Autonomie von Kindern und Jugendlichen (Autonomie kann dabei sowohl als Fähigkeit als auch als Wert verstanden werden: Kinder und Jugendliche werden autonomer, sie sollen aber auch autonomer werden und haben einen Anspruch darauf). Das Recht auf Privatsphäre, welches nicht bloß ein moralisches Recht ist, sondern auch in der Rechtsprechung anerkannt wird, scheint abwägungsbedürftig mit anderen Rechten von Kindern (zum Beispiel der Schutz des Kindeswohls) und den Rechten von Erziehungsberechtigten. Der Staat ist dabei in der Funktion sowohl die Rechte der Kinder und Jugendlichen als auch die der Eltern zu schützen und zu ermöglichen. Angesichts weit verbreiteter gesellschaftlicher Trends der letzten Jahre, etwa dem ubiquitären Einsatz von neuen Technologien während der Kindheit und den damit verbundenen Chancen und Gefahren für eine gute Kindheit und Jugend, ist die ethische und philosophische Klärung des Konzepts und des moralischen Werts der Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen dringend geboten. In anderen Disziplinen wie den Erziehungs-, Sozial- und Rechtswissenschaften, die sich Kindheit und Jugend widmen, sind diese Diskussionen schon längst im Gange. Es ist das Ziel dieses Workshops die breiten philosophische Diskussionen der letzten Jahre über den Wert der Kindheit und Jugend, kindspezifische Güter und Rechte und Pflichten von Kindern und Jugendlichen sowie den von Eltern und Staaten für die spezifische Frage der Privatsphäre von Kindern und Jugendlichen fruchtbar zu machen. Fragen, denen sich der Workshop widmen will, sind unter anderem:

  • Wie ist der Begriff der Privatsphäre für Kinder und Jugendliche theoretisch zu bestimmen – gibt es hier relevante normative Unterschiede zur Privatsphäre von Erwachsenen und auch zwischen Kindern und Jugendlichen?
  • Haben Kinder und Jugendliche ein moralisches Recht auf Privatsphäre und wie kann dieses begründet werden?
  • Wie sind etwaige Konflikte zwischen kindlicher und jugendlicher Autonomie und Kindeswohl mit Blick auf die Privatsphäre zu lösen?
  • Wie verhalten sich kindliche und jugendliche Rechte auf Privatsphäre zu den Rechten und Pflichten der Erziehungsberechtigten? Welche Rolle soll und darf der Staat hier spielen?
  • Welchen Wert hat die Privatsphäre für eine gute Kindheit und Jugend – und eine gute Entwicklung zu einem autonomen Erwachsenen?
  • Wie sind neuere technologische Entwicklungen (zum Beispiel die breite Verwendung von Sozialen Medien oder der leichte Zugang zu Internetpornographie) vor diesem Hintergrund zu verstehen, welche ethischen Fragen werfen sie auf und welchen Beitrag können Ethik und Philosophie zur ihrem Verständnis und ggf. auch ihrer (sozialen, politischen und pädagogischen) Lösung liefern?